Sonntag, 11. August 2013

Teufelsritt mit Motorstop

Oostende haben wir am So bei ablaufendem Wasser in Richtung Calais verlassen. Etwas müde, aber mit guter Stimmung ging es auf Kurs. Leider bei Gegenwind 3 Bft., also unter Motor. Der schob uns mit 5 kn gegen den Wind durchs Wasser und der Strom der Ebbe addierte sich teilweise zu 7,5-8 kn lt. GPS. Toll ! Genauso hatte ich es mir ausgedacht. Schon nach knapp 2 Std. waren wir auf der Höhe von Nieuwport. Der Wind hatte etwas zugelegt und ich spürte den Impuls dort fest zumachen. Nach Absprache mit der Crew, heute ohne Seekrankheit, sind wir guter Dinge weiter auf das geplante Ziel zu. Rest 25 sm.

Es kam dann doch recht anders. Der Wind frischte weiter auf. Der Windmesser geht hoch auf 5 Bft (30-35 kn Wind). Die Welle wird megasteil und das Schiff hüpft über die Wellen. Wie klein sind plötzlich unsere fast 19 mtr. Der Bug taucht teilweise in die Welle und die Gischt prasselt auf die Windschutzscheibe als würden 10 Eimer Wasser gleichzeitig ausgeleert.

Nach weiteren 3 Std. ist die Hafeneinfahrt Calais in Sicht und wir runden die 1 Boje. Eine Fähre kommt uns entgegen und ich nehme Gas weg, lasse ihr freie Fahrt. !Motor aus! Ich traue meinen Ohren nicht. Doch die roten Kontrollampen brennen und der Drehzahlmesser zeigt 0 Umdrehungen. SCH**ßE !! Und jetzt ? Vor dem Wind treibend, schießen mir die Alternativen durch den Kopf. Manöverierfähigkeit herstellen !! Also Fock hoch, beidrehen und weiter denken. Gedacht, getan. Mit Jonas die Fock gesetzt und das Schiff in Richtung offene See gedreht, so kommen wir von der Küste frei. Bobbie steht am Ruder.

Jetzt an den Motor. Im Motorraum ist Saunaklima. Dem 1. Impuls folgend kontrolliere ich den Filter/Wasserabscheider, denn wir hatten schon mal Wasser im Diesel. Tatsächlich! Voll mit Wasser. Also aufmachen und Wasser raus. Durch den leeren Filter kann der Motor nicht Diesel saugen. Ich verstehe, wieso im Motorraum schon immer ein kleiner Kanister Diesel steht und fülle damit den Filter. Deckel drauf, Ablaßschraube zu und Motortest. Nach 3 Versuchen springt er an. Wir checken den Standort und nehmen wieder Kurs auf Calais. Wir erreichen den Hafen kurz vor der letzten Öffnung, denn der Eingang mit Schutzwall gegen Niedrigwasser ist nur 2,5 Std. vor und nach Hochwasser befahrbar. Endlich öffnet sich die Brücke und wir kommen mit unserem Tiefgang noch so eben in die Hafenzone.

Nach dem uns jetzt die Hafenmeisterin 3x zu kleine Liegeplätze angeboten hat, gehen wir längs an einer Durchfahrt fest. Das Schiff wird im Hafen offensichtlich wieder größer :D . Totmüde fallen wir nach einer Spaghetti Aglio Olio in die Kojen.

Video des Tages:


Kommentare:

  1. Hallo Rainer,

    das Video ist als privat gekennzeichnet. Kann man leider nicht ansehen.

    Viele Grüße nach Frankreich,
    Christian

    AntwortenLöschen
  2. Danke für den Hinweis. Das Video ist jetzt freigeschalten.

    AntwortenLöschen